Feuer im Wald
Quelle: Kim-Julian Bomrich-Huber

Feuer im Wald

 
Feuer. Ur-Element. Lebensspender und Lebensvernichter. Erneuerer. Faszinosum, das seinesgleichen sucht...
Schon unsere Vorfahren fanden Feuer anziehend und reizvoll. Klar, denn es bedeutete Leben oder Tod. Wärme, Licht und Schutz vor wilden Tieren. Aber auch wenn Feuer heute nicht mehr die Rolle spielt, die es damals beim Überleben spielte, so ist die Faszination rund um das Feuer ungebrochen. Und das auch unter Bushcraftern und Survivalisten.

Jeder, der schonmal längere Zeit draußen war und sich ein Lager errichtet hat, kennt das. Nach getaner Arbeit sitzt man unter oder vor seinem Tarp/Unterschlupf, schaut in den Wald hinein oder zu den Baumkronen hinauf und denkt sich: "Jetzt ein prasselndes Feuer wäre schön."
Gedacht, getan. Feuerholz liegt ja eh überall rum und seine Fähigkeiten Feuer zu machen wollte man auch mal wieder trainieren, also flux ein paar Äste und Stöcke gesammelt und fein säuberlich getrennt bereit gelegt. Ein paar Steine gesucht (wenn es denn gerade welche gibt), den Boden von Blättern und Geäst befreit (und bestenfalls geschaut, ob der Boden nicht zu locker und zu trocken ist, geschweige denn von oberflächlichen Wurzeln durchzogen ist), das feinste Holz in die improvisierte Feuerstelle gelegt und Feuer gemacht. Ach wie schön und gemütlich.... bis der Jäger/Förster und/oder die Polizei samt Feuerwehr auftaucht...
 
Du schreckst aus Deinen Gedanken auf - zu Recht- und fragst Dich nun, voller Zweifel, ob das so eine gute Idee wäre im Wald ein Feuer zu entzünden... Auch vollkommen zu Recht!
Die kurze und knackige Antwort ist: NEIN! Niemals ist Feuer eine gute Idee im Wald - genauer gesagt: Im öffentlichen Wald.
 
Im Bundeswaldgesetz (BWaldG) ist zwar das Feuermachen im Wald nicht explizit erwähnt, aber dieses bildet auch nur die Rahmenbedingungen für die Landeswaldgesetze (LWaldG), die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Und in diesen ist sehr wohl geregelt, was das Feuermachen im Wald angeht. Auch wenn sich die Paragraphen je unterscheiden, so ist der Grundtenor doch in allen LWaldGs, dass offenes Feuer in Wäldern strikt verboten ist und, wenn überhaupt in irgendeiner Art und Weise erlaubt, so zumindest die offizielle Zustimmung des zuständigen Forstamtes benötigt wird (ausgenommen sind natürlich die Jäger/Förster, die im Wald arbeiten). Waldbesitzer haben da aber in der Regel nochmal einen gesonderten Stand. Sie können eine Feuerstelle anlegen und auch Dritten erlauben diese zu nutzen.

Nun musst Du nicht gleich Waldbesitzer werden, um ein Feuer machen zu können. es gibt mehrere Möglichkeiten für Dich:
 
1. Nutze die offiziellen Trekkinplätze. Dort bist Du mitten im Wald, hast deine Ruhe, einen gewissen Komfort (teilweise fließend Wasser, meist irgendeine Art von Toilette)
Einige Trekkingpläte habe ich hier --> Den richtigen Lagerplatz finden verlinkt. Alle Vor- und Nachteile findest Du ebenfalls in diesem Beitrag.
 
2. Vielleicht kennst Du ja (per Zufall) Deinen hiesigen Förster. Dann frage Ihn, ob er Dir eine Stelle zuweist für ein kleines Feuerchen.
Erkläre ihm auf jeden Fall genau (!) was Du vor hast. So hast Du bessere Chancen, als wenn Du ihn über Deine Motive im Unklaren lässt und er vielleicht animmt, dass Du dort eine (illegale) Party schmeißen willst, die er dann auch noch (mit der Polizei) beenden muss.
 
3. Vielleicht kennst Du aber auch jemanden, dem ein Waldstück gehört. Wenn ja, frage Ihn, ob er Dir die Erlaubnis erteilt. Lass Dir die Erlaubnis aber auf jeden Fall schriftlich mit Anschrift und Unterschrift des Eigentümers geben! So bist Du bestens vorbereitet, wenn doch der Förster/Jäger oder gar die Polizeit und/oder Feuerwehr auftauchen sollte. Aber: Sei Dir auch bei dieser Variante bewusst, dass Du Dich auf einer Gradwanderung befindest.
 
4. Wenn Du in einem Gebiet unterwegs bis, in dem Du niemanden kennst. Geh in das nächste kleine Dörfchen, je kleiner desto besser, und frage dort im Gasthaus oder in einer Kneipe, ob jemand weiß, wem hier Wald gehört. Irritierte Blicke sind zwar vorprogrammiert, aber in der Regel bekommst Du, wenn Du nett und integer auftrittst, die gewünschte Antwort. Und dann kannst Du verfahren wie bei 3.
 
Du kannst natürlich auch auf all diese Möglichkeiten pfeifen, Dein Lager samt Feuer irgendwo aufschlagen und hoffen, dass nichts passiert und dass niemand vorbeikommt. Sei Dir dabei aber bewusst, dass man Feuer, besonders im Dunklen, sehr weit sieht (außer Du bist in einem ausgetrockneten Flussbett oder einer sehr tiefen Senke) und vor allem sehr weit riechen kann. Im Zweifel, selbst wenn Dich niemand sieht, kann es sein, dass man Dich durch die Hitze des Feuers entdeckt - Stichwort Wärmebildkammera (im besten Falle nur zu Fuß, im schlimmsten Falle aus der Luft).
Egal wie klein Dein Feuer dann auch gewesen sein mag. Du bist im schlimmsten Fall dran. Im besten Fall hast Du nette Polizisten/Förster oder Jäger erwischt, die sich evtl. sogar noch zu Dir setzen und mit Dir reden, aber stelle Dich lieber auf den worst case ein.
 
Kleiner Exkurs zum Auftreten gegenüber Amtspersonen:
 
Solltest Du entdeckt werden, dabei ist es egal, ob Du "nur" ein Lager baust, mit Tarp im Wald herumlümmelst oder ein Feuer machst, merke Dir eins: So wie man in den Wald hineinschreit, so kommt es wieder heraus! Meint: Wenn Du uneinsichtig, unfreuntlich, gar pampig wirst gegenüber jedweder Autoritätsperson im Wald (Förster, Jäger, Eigentümer, Feuerwehr, Polizeit), dann werden sie genauso zu Dir sein und Deine Strafe ist vorprogrammiert.
Bist Du hingegen einsichtig und erklärungswillig, dazu gilt auch, dass Du Deine Personalien freiwillig abgibst und Dich gegen keine Maßnahme wehrst und den Aufforderungen der jeweiligen Person/en unmittelbar Folge leistest, so kann es sein, dass sie nachsichtiger (!) mit Dir sind
(bitte neachte, dass das "kann" nicht ohne Grund unterstrichen ist, denn auch hier besteht die Möglichkeit, dass sie Dich trotzdem strafrechtlich verfolgen). "Nachsichtig" reicht hier von "ein Auge zudrücken" und Dich nur verwarnen (ggf. mit Platzverweis) bis hin zu sie setzen sich zu Dir und reden mit Dir. Sollte letzteres der Fall sein, verwechsle Freundlichkeit nicht mit Freundschaftlichkeit. Es sind und bleiben Autoritätspersonen, die Dich jederzeit "hopps" nehmen können -also pass auf was und wie Du redest.
 
So viel dazu...
Halten wir fest:
 
Feuermachen im Wald ist erstmal keine gute Idee. Mit Erlaubnis, sei sie vom Förster oder vom Eigentümer, ist das Ganze schon eine bessere Idee, aber immer noch kritisch.
 
Wieso? Das kommt jetzt:
 
Feuer im Wald ist, ohne Erlaubnis, immer eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit (OWI), wie so manch einer glaubt. D.h. Du wirst, solltest Du erwischt werden, auf jeden Fall strafrechtlich verfolgt und verurteilt. Das zieht einen Eintrag in Dein Strafregister mit sich. Wäre es nur eine OWI, würdest Du "nur" zur Kasse gebeten, hättest aber keinen Eintrag. (Aber glaub mir, mit dem Geld, was Du da bezahlen musst, könntest Du Dir sehr viele, sehr schöne Dinge kaufen!)
 
Warum Feuermachen im Wald so strikt geahndet wird?
 
Einfach aus dem Grund, weil Feuer ein erhebliches Risiko für Flora und Fauna darstellt, sollte es außer Kontrolle geraten - und das passiert schneller, als Du glaubst.
Dabei ist nicht nur der Funkenflug gefährlich, sondern auch das, was unter Deinem Feuer - auf dem Waldboden - passiert. Selbst wenn Du die Stelle sauber aufgeräumt, mit Steinen umfriedet und von allen Blättern und Ästen befreit hast und selbst wenn Du den Boden überprüft hast und er weder zu locker noch zu trocken ist, kann die Hitze des Feuers, die den Boden logischerweise austrocknet, so groß sein, dass irgendwann darunterliegende Wurzen zu schwelen anfangen. Das Ergebnis ist ein sogenannter Schwelbrand oder auch Wurzelbrand. Im Gegensatz zu oberflächlichen Bränden, siehst und merkst Du diesen über einen langen Zeitraum nicht. Er kann sich ungehindert über das Wurzelnetzwerk unter Deinen Füßen ausbreiten, ganze Bäume von Innen verbrennen und an dutzenden Stellen unkontrolliert aus dem Boden brechen.
Das Ergebnis: Ein unkontrollierter Flächenbrand, der bis zu seinem äußeren Auftreten bereits hunderte oder gar tausende Hektar Wald verbrannt hat.
 
Ja, Feuer ist auch ein Lebensspender und verbrannte Erde wirkt wie ein Dünger, aber nichts destotrotz muss man dieses Risiko nicht bewusst eingehen. Die einzige Möglichkeit dieses Risiko effektiv zu minimieren ist eine gemauerte Feuerstelle.
 
Jetzt war die ganze Zeit die Rede von Lagerfeuern, also offenen Flammen, die sich in alle Winde ausbreiten können. In Youtube-Videos hast Du aber gesehen, dass viele Bushcrafter und Survivalisten Hobos, Holzvergaser u.ä. verwenden.
 
Super, denkst Du, das Feuer ist nicht mehr offen und damit erlaubt. Problem gelöst und alle sind happy.
 
Leider nein, denn: Auch Hobos, Raketenöfen, Holzvergaser, selbst die "UCO" Candle Lantern und ähnliches gilt als... offenes Feuer... Richtig. Wieso? Naja, weil man zum einen die Flamme sehen kann und zum anderen, weil diese Gefäße in der Regel oben und irgendwo an der Seite eine Öffnung haben, durch die man Holz nachfüllt. Die Kerzenlaternen sind zwar durch ein Plexiglas oder sogar durch richtiges Glas "verschlossen", aber nicht zusätzlich gesichert, d.h. auch die Kerze könnte, wenn sie umkippt und das "Glas" dabei verrutscht ein Feuer entfachen.
 
Eine halbwegs zufriedenstellende Lösung dieses Problems, bieten sog. Zeltöfen. Diese gibt es in verschiedenen Materialien (Edelstahl und Titan) und sie sind geschlossen, sprich: Sie haben auf der Vorderseite eine Luke, durch die man Brennstoff - also Holz - nachführen kann, aber diese Luke ist zusätzlich mit einem Riegel oder Hebel gesichert. Zudem stehen diese Zeltöfen auf vier Beinen, die sie vom Waldboden bzw. vom Zeltboden abheben und so verhindern. dass die Hitze unter ihnen den Zeltboden beschädigen können bzw. den Waldboden zu sehr austrocknen. 
Bei der Verwendung dieser Zeltöfen wäre ich dennoch vorsichtig, denn ein findiger Jurist könnte Euch auch daraus einen Strick drehen. Zudem haben sie das Problem, dass sie meist sehr unhandlich und nicht wirklich für den längren Transport praktikabel sind. Selbst die Titanvariante bringt ihr Gewicht mit sich, geschweige denn von den Abmessungen.
 
Und ja, die Zeltöfen mögen nicht das Feeling von offner Flamme, wie ein Hobo etc. oder gar wie ein Lagerfeuer haben, sind aber allemal besser, als gar nichts.
 
Eine Alternative, die man häufig sieht ist, dass Hobos, Raketenöfen oder Holzvergaser auf Baumstümpfe gestellt werden. So sind sie technisch gesehen vom Waldboen weg und können ihn nicht austrocknen, aber sie bilden nach wie vor eine Gefahr. Der Funeknflug bleibt, selbst wenn man den Hobo "richtig füttert" und nun wird zwar nicht mehr der Waldboden ausgetrocknet, dafür aber der Baumsumpf auf dem der Hobo steht. Klar, der Baumsumpf braucht von der Dichte her wesentlich höhere Temparaturen, um wirklich das Kokeln anzufangen, aber es reicht schon, wenn er ein bisschen morsch ist und ihr habt den Salat. Oberflächlich mag es aussehen, als wäre der Stumpf nur an manchen Stellen etwas dunkler geworden, aber im Inneren hat sich schon ein Schwelbrand gebildet, der, sofern es nicht plötzlich über Tage hinweg schüttet, gemütlich wachsen und den Stumpf aushöhlen und so ins Wurzelwerk vordringen kann. Und schon habt Ihr wieder einen Schwelbrand.
Eine Möglichkeit das Ganze sicherer zu gestalten, un ich gebe zu - dazu gehöre auch ich hin undd wieder -, ist eine feuerfeste Unterlage, wie z.B. eine Lötmatte unter den Hobo oder Holzvergaser zu packen. Das schützt den Untergrund, zumindest für eine Weile, denn auch diese Matte halten nicht ewig. Besonders nicht, wenn Ihr einen Holzvergaser verwendet, der dank Sekundärzündung der Holzgase in der äußeren Kammer, zusätzliche Power gewinnt und damit auch Hitze. Damit ist so eine Lötmatte in Null-Komma-Nichts durchgebrannt.
Ist mir schon mehrfach passiert...
Dann könnt Ihr die Matte nehmen und wegschmeißen. Betreibt Ihr darauf nur einen Hobo, hält sie, wenn Ihr den Hobo richtig befeuert, etwas länger, da die meisten Hobos noch zusätzlich auf kleinen Füßen stehen und damit nicht direkt mit der Brennkammer auf der Matte aufliegen.
 
Diese Angaben sind alle ohne Gewäh (!) und wenn Ihr meint, Ihr müsst ein Feuer im Wald entfachen, dann müsst auch Ihr alleine mit den Konsequenzen leben. Ich persönlich rate jedem davon ab in einem öffenlichen Wald Feuer zu machen, auch wenn die Wetterbedinungen es theoretisch (!) zulassen würden. Feuer ist einfach immer eine große und nicht zu kontrollierende Gefahr

Ach, bevor ich es vergesse: Auch ESBIT ist kein (!) sicherer Brennstoff im Wald, auch wenn er rückstandslos und mit niedrigerer Temparatur verbrennt. Auch hier habt Ihr eine offene Flamme und zudem ist Esbit eine hocgradig chemische Angelegenheit.

Ähnliche Artikel

DAS NEUE LOGO!

DAS NEUE LOGO!

Rhein-Pfalz Artikel vom 25.02.23

Rhein-Pfalz Artikel vom 25.02.23

ERSTE BERICHTERSTATTUNG ÜBER WOODLAND ADVENTURES

ERSTE BERICHTERSTATTUNG ÜBER WOODLAND ADVENTURES